Bahnlärm: Fach-Forum Bahnlärm
Fertigstellung des Gotthard-Basistunnels 2016 steigert nächtlichen Bahnlärm erheblich
<2012-07-18>
Den Anwohnern von Bahnstrecken drohen ab 2017 verstärkte nächtliche Ruhestörungen. Nach Inbetriebnahme des Gotthard-Basistunnels soll der Güterverkehr um 60% zunehmen.

Den Anwohnern von Bahnstrecken drohen ab 2017 verstärkte nächtliche Ruhestörungen. Der Grund dafür ist der Betriebsbeginn des Gotthard-Basistunnels; er ist mit 57 Kilometern der längste Eisenbahntunnel der Welt. Um ihn auszulasten zwingt das Schweizer Recht die gesamte Fracht im Alpentransit auf die Schiene. Dort wird sie auch beim Transit durch das Rheintal auf dem Weg ins Ruhrgebiet, in die Niederlande oder Belgien bleiben, denn ein Umladen der Container in Basel auf LKW´s wird sich betriebswirtschaftlich nicht rechnen.

Darauf hat Emil Hädler, Professor an der Fachhochschule Mainz und Landesvorsitzender des Deutschen Werkbundes Rheinland-Pfalz in einem Gespräch hingewiesen, das die Allgemeine Zeitung Mainz publiziert hat:

Schon ohne diesen Tunnel-Effekt rechnet die Bahn mit einer Steigerung der transportierten Güter-Tonnen bis 2025 um 60 Prozent im deutschen Netz. Addiert man die zusätzlichen Züge auf der Relation von Italien ins Rheinland und nach Holland hinzu drohen auf beiden Rheinstrecken und den derzeit entwickelten Entlastungsstrecken (z.B. Rhein-Neckar-Bahn, Main-Weser-Bahn, Magistrale Ruhrgebiet-Bayern über die Ruhr-Sieg-Strecke, die Dillstrecke, von Gießen bis Friedberg über die Main-Weser-Bahn, Friedberg - Hanau und weiter ab Hanau über die Main-Spessart-Bahn, Gelnhausen-Gießen, Main-Sieg Strecke, Ruhr-Sieg-Strecke, Alsenzbahn) nächtliche Zugfahrten bis hin zu einem 3-Minuten-Takt.

Das wird Konsequenzen für den durch Güterzüge produzierten Lärm in den angrenzenden Wohngebieten haben. Bis zu einem Kilometer Entfernung wird dann ein ungestörter Schlaf nicht mehr möglich sein. Für hunderttausende von Anwohnern in derzeit noch von nächtlichem Güterzuglärm verschonten Wohngebieten an Bahnstrecken zwischen Freiburg im Breisgau und Emmerich an der holländischen Grenze drohen Gesundheitsschäden durch Bluthochdruck und Herz-Kreislauf-Erkrankungen aber auch eine erhebliche Minderung des Verkehrswert ihrer Wohnimmobilien.


Autor: Matthias Möller-Meinecke, Rechtsanwalt, Fachanwalt für Verwaltungsrecht

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